Der Jahrhundertsommer - Hitzewelle über NRW

Sendezeit: 20:15 - 21:00, 19.07.2019
Genre: Dokumentation
  • Hörfilm, Sendung mit akustischer Bildbeschreibung
  • Untertitel für die Sendung verfügbar
  • Redaktion: Adrian Lehnigk
  • Von: Lothar Schröder
D (2018) So heiß, so trocken und das über Wochen, das hatte es seit Beginn der Wetteraufzeichnungen noch nicht gegeben. 2003 gab es den Jahrhundertsommer!
Als die meisten Menschen noch von einem einmalig schönen Frühsommer schwärmten, beklagten die Landwirte schon erste Ernteausfälle. Und sie befürchteten Schlimmeres. Bereits der Juni war so heiß wie nie zuvor. Die Temperaturen lagen schon am Monatsanfang bei mehr als 30 Grad. Biergärten, Schwimmbäder und Getränkehändler machten das Geschäft ihres Lebens.
Und es wurde noch heißer. Im Juli glühten die Städte. In Straßenbahnen wurden bis zu 39 Grad gemessen. In den Zügen der Bahn fielen die Klimaanlagen aus, manche Gleise verbogen sich. Die Experten sahen Gewitter in ihren Computeranimationen, doch die kamen nicht. Das Hoch Michaela blieb über Monate stabil.
Auch im August war noch kein Ende in Sicht. Euskirchen meldete am 12. August den Hitzerekord für Nordrhein-Westfalen: 40,1 Grad Celsius!
Es war kein Sommermärchen. Es war eine der größten Katastrophen. Europaweit waren 70.000 Todesopfer zu beklagen, besonders in den südlichen Ländern. Es traf vor allem alte und schwache Menschen. Die Krankenhäuser waren teilweise überfüllt, allein die Düsseldorfer Uniklinik zählte das doppelte Aufkommen.
Dazu herrschte Waldbrandgefahr im ganzen Land. Täglich gab es Kontrollflüge. Der Schüler Nils Baro entdeckte von seinem Beobachtungsturm im Wald eine Rauchsäule bei Nettetal und verhinderte damit eine große Brandkatastrophe.
Für die Schifffahrt auf dem Rhein wurde es immer enger. Wer zu viel Fracht lud, lief schnell auf Grund. Die großen Frachter blieben gleich im Hafen. Es war die Zeit der kleinen Binnenschiffe, die im Akkord rheinauf und rheinabwärts fuhren.
Gefährlich wurde es auch für Badende. Der Rhein war zu einem schmalen Fluss geworden und stellenweise nur noch weniger als einen Meter tief. Schwimmer kamen der Fahrrinne oft bedenklich nahe und wurden von der Strömung überrascht. 15 Menschen ertranken!
Für die Dokumentation "Der Jahrhundertsommer" hat Autor Lothar Schröder die heißesten Orte Nordrhein-Westfalens aufgesucht und war unterwegs in einem Beobachtungsflugzeug, mit einem Mähdrescher, im Zoo und im Biergarten. Beteiligte von Polizei und Feuerwehr, Bademeister, Binnenschiffer und eine Notärztin erzählen ihre Geschichte dieses einzigartig heißen und langen Sommers vor mehr als 15 Jahren, den keiner vergessen hat.

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