Als die Sonne vom Himmel fiel, Eine Spurensuche in Hiroshima

Sendezeit: 22:25 - 23:45, 04.08.2020
Genre: Dokumentarfilm
  • Von: Aya Domenig
Schweiz / Finnland / Japan Regisseurin Aya Domenig begibt sich auf die Spuren ihres verstorbenen Großvaters, der nach dem Abwurf der Atombombe 1945 als junger Arzt in einem Krankenhaus in Hiroshima gearbeitet hat.
Die Filmemacherin spricht mit Zeitzeugen und Kollegen ihres Großvaters. Diese sind trotz hohen Alters auch heute noch fast täglich unterwegs, um öffentlich über die Gefahr der Atomkraft zu sprechen - auch die ihrer "friedlichen" Nutzung.
Als am 6. August 1945 um 8.15 Uhr die Atombombe über Hiroshima detonierte, befand sich der Großvater von Aya Domenig auf dem Weg zur Arbeit im Rotkreuzspital in Hiroshima. Durchs Fenster der Eisenbahn sah er den Blitz des aufsteigenden Atompilzes. Über viele Umwege erreichte er den Arbeitsplatz. Seine Familie, die etwa 75 Kilometer außerhalb wohnte, sah er erst zehn Tage später wieder. Nach dem Abwurf starben circa 80 000 Menschen sofort, noch Jahre danach kamen aufgrund der unsichtbaren Verstrahlung Zehntausende ums Leben.
Zeit seines Lebens hat der Großvater der Filmemacherin Aya Domenig nie über seine Erfahrungen gesprochen. Einerseits saß das Trauma wohl sehr tief, andererseits gab es während der Zeit der amerikanischen Besatzung ein striktes Verbot, über die Auswirkungen der Atombombe zu sprechen. Dazu kam wohl auch die drohende gesellschaftliche Diskriminierung: Zu groß war das Risiko, weder Arbeit noch Heiratspartner zu finden. Als sich am 11. März 2011 in Fukushima eine neue Atomkatastrophe ereignet, nimmt die Suche der Filmemacherin eine neue Wendung.
Aya Domenigs Dokumentation "Als die Sonne vom Himmel fiel" ist nicht nur ein Werk über die Jahrhundert-Tragödie des Atombombenabwurfs über Hiroshima und Nagasaki, sondern auch eine Anklage gegen die Nutzung von Kernenergie. Auch im Japan der Gegenwart haben Atomkraftgegner einen schweren Stand. Der Film verleiht ihnen nun eine Stimme.