Der Mann, der die Frauen liebte

Sendezeit: 20:15 - 22:10, 26.10.2020
Genre: Komödie
  • Darsteller: Charles Denner (Bertrand Morane), Brigitte Fossey (Geneviève Bigey), Nelly Borgeaud (Delphine Grezel), Geneviève Fontanel (Hélène), Leslie Caron (Véra), Valérie Bonnier (Fabienne), Nathalie Baye (Martine Desdoits), Sabine Glaser (Bernadette), Anna Perrier (Uta, Babysitter)
  • Drehbuch: Michel Fermaud, Suzanne Schiffman, François Truffaut
  • Regie: François Truffaut
  • Kamera: Néstor Almendros
  • Musik: Maurice Jaubert
  • Produzent: Marcel Berbert, François Truffaut
  • Andere Personen: Martine Barraqué
Frankreich (1977) An einem Wintertag folgt ein langer Trauerzug einem Sarg. Die Trauergemeinde besteht ausnahmslos aus Frauen. Einige von ihnen gehen untergehakt. Sie tragen Bertrand Morane zu Grabe. Er war erst Mitte 40, Flugzeugingenieur und vor allem: ein großer Verführer. Er war wie besessen von Frauen und ihren Beinen. Schöne Frauenbeine setzten bei ihm einen geradezu zwanghaften Verführungsmechanismus in Gang. Und wenn er eine Frau schließlich verführte, liebte er sie stets mit der gleichen Aufrichtigkeit, Intensität und Vehemenz - eine Liebe, die ihm seine Mutter in der Kindheit nicht entgegengebracht hatte, die ihm versagt war. Diesen Mangel kompensierte er mit immer neuen Frauen. Davon gab es schließlich so viele, dass er seine Liebensabenteuer auflistete, um ein Buch darüber zu schreiben. Als er das Manuskript einem Verlag anbot, fand die Lektorin Geneviève Gefallen daran - und die beiden aneinander.
Hintergrundinformationen: Truffauts Film ist eine Hymne an die Frauen, mit einem überzeugenden Charles Denner in der Hauptrolle. Episodenhaft baut Truffaut den Film um die Erzählung der Lektorin und die Aufzeichnungen Moranes herum auf. Sein Hohelied auf die Frauen verquickt zwei autobiografische Aspekte miteinander: das Trauma durch die abweisende und abwesende Mutter und die daraus resultierende Besessenheit den Frauen gegenüber. Charles Denner hat sich mit relativ wenigen Filmen einen Platz unter den großen Darstellern im französischen Film gesichert. Dazu gehört auch sein genialer "Landru" (deutscher Titel: "Der Frauenmörder von Paris") unter der Regie von Claude Chabrol. Sein nüchtern-maßvolles Spiel, der ewig traurige Blick und die erstickte Stimme verleihen ihm einen Magnetismus, der in seiner Gestaltung des Bertrand Morane ihren Höhepunkt erreicht. Die enge Beziehung zwischen der Filmfigur und der Person des Regisseurs wird von Truffaut bewusst herausgehoben, indem er in einem kurzen Ausschnitt aus "Sie küßten und sie schlugen ihn" (1959) sein Alter Ego Antoine Doinel zitiert.