Die Frau aus Brest

Sendezeit: 20:15 - 22:15, 27.10.2021
Genre: Dramafilme
  • Darsteller: Sidse Babett Knudsen (Dr. Irène Frachon), Benoît Magimel (Antoine Le Bihan), Charlotte Laemmel (Patoche), Gilles Treton (Dr Yannick Jobic), Lara Neumann (Anne Jouan), Garance Mazureck (Flore Michelet)
  • Drehbuch: Séverine Bosschem, Emmanuelle Bercot
  • Regie: Emmanuelle Bercot
  • Kamera: Guillaume Schiffman
  • Musik: Martin Wheeler, Bloum
  • Produzent: Caroline Benjo, Carole Scotta, Barbara Letellier, Simon Arnal
  • Andere Personen: Irène Frachon, Julien Leloup
Frankreich (2015) Dr. Irène Frachon ist eine ihren Patienten zugewandte Ärztin, Pneumologin am Universitätskrankenhaus in Brest. Als wieder einmal eine übergewichtige Patientin mit Herzklappenfehler auf dem OP-Tisch liegt, vermutet Irène einen Zusammenhang mit der Einnahme von Mediator, einem seit 30 Jahren auf dem Markt befindlichen Diabetes-Medikament, das auch als Appetitzügler verschrieben wird. Irène überzeugt ihren Forscherkollegen, Prof. Le Bihan, einer Kapazität, von der Notwendigkeit einer Studie. In einem Kraftakt bewältigt das kleine Team die empirische Untersuchung, die eine sensationelle Zahl von 70% Verdachtsfällen ergibt. Doch die zuständigen Behörden ziehen die Seriosität der Studie in Frage und scheinen eher dem aggressiv auftretenden französischen Pharmakonzern Servier Glauben zu schenken.
Aber Irène ist eine Kämpferin - und schreibt ein Buch über die Affäre: "Mediator - Wie viele Tote?" Der Untertitel muss nach einer Klage von Servier geschwärzt werden. Eigentlich eine gute Voraussetzung, um Aufmerksamkeit zu erlangen, aber das Buch geht sang- und klanglos unter, vor allem bei der Presse. Doch Irène gibt nicht auf, telefoniert sich die Finger wund und findet schließlich Gehör bei der Figaro-Journalistin Anne Jouan. Und sie hat einen wichtigen Unterstützer: Einen Mitarbeiter in der Zentrale der gesetzlichen Krankenversicherung, der anonym bleiben muss, ein "Maulwurf". Er könnte die Zahl der Toten ermitteln, aber erst, wenn er den Auftrag dazu bekommt.
Hintergrundinformationen: Der Film ist eine Adaptation des Buches von Dr. Irène Frachon, damals am Uniklinikum in Brest, über ihren Kampf gegen die Pharmalobby und die Behörden, nachdem sie die Nebenwirkungen des Appetitzüglers Mediator und des Wirkstoffs Benfluorex aufgedeckt hatte, an denen in Frankreich über 500 Menschen, vor allem Frauen, gestorben sind. Mit unglaublichem Mut, bretonischer Sturheit und vollem Einsatz, dank der Unterstützung eines Forscherteams und nicht zuletzt auch des Rückhalts, den sie in ihrer Familie hat, welche sie über Jahre vernachlässigt, gelingt es ihr am Ende, die Rücknahme des Medikaments vom Markt zu erwirken. Dass es später zum Gerichtsprozess und einer Verurteilung des Pharmakonzerns sowie einer Entschädigung der Opfer kam, ist größtenteils dieser Ärztin zu verdanken. Eine Frau allein gegen die Industrie, das hat schon oft im amerikanischen Kino funktioniert und gelingt auch hier, bei der französischen Regisseurin Emmanuelle Bercot ("Madame empfiehlt sich", 2013, mit Catherine Deneuve). Obwohl die echte Irène Frachon Bretonin ist, hat Bercot sie mit der Dänin Sidse Babett Knudsen besetzt, vielen bekannt als temperament- und humorvolle Politikerin aus der dänischen Serie "Borgen". Bercot, selbst Schauspielerin, lässt ihr hier viel Raum für ihren gesten- und schimpfwortreichen Kampf für Gerechtigkeit.