Ein Koffer voll Hoffnung: Türkische Gastarbeiter in Deutschland

Sendezeit: 22:45 - 23:30, 01.12.2021
Genre: Zeitgeschichte
  • Untertitel für die Sendung verfügbar
  • Redaktion: Andrea Bräu
D (2021) Bei den Gastarbeiteranwerbungen im September 1961 bekamen türkische Facharbeiter und Facharbeiterinnen die Möglichkeit, sich von deutschen Unternehmen anwerben zu lassen. Zehntausende von ihnen verließen daraufhin ihre Heimat, lebten unter hygienisch fragwürdigen Bedingungen in Unterkünften. Arbeiteten in Berufen, für die sie entweder gar nicht oder überqualifiziert waren, und für die sich häufig keine deutschen Bewerberinnen und Bewerber finden ließen. Die Regisseurin Gülsel Özkan zeigt in ihrer Dokumentation "Ein Koffer voll Hoffnung: Türkische Gastarbeiter in Deutschland", welche Auswirkungen die gesellschaftlichen Umbrüche in Deutschland auf die Migrantinnen und Migranten hatten. Zu geschichtlichen Meilensteinen gehören beispielsweise die Wirtschaftskrise, der Anwerbestopp, der Mauerfall sowie die diversen Putsche und die wirtschaftliche und politische Situation in der Türkei. Heute leben rund drei Millionen Türkeistämmiger Menschen in Deutschland: Türkinnen und Türken, Kurdinnen und Kurden, Armenierinnen und Armenier, Sunnitinnen und Sunniten, Alevitinnen und Aleviten, Christinnen und Christen. Etwa die Hälfte von ihnen hat inzwischen die deutsche Staatsbürgerschaft. Viele sind hier geboren und aufgewachsen. Sie sind nicht mehr nur Arbeiter und Arbeiterinnen, Dienstleister und Dienstleisterinnen, sondern auch Unternehmer und Unternehmerinnen, Politiker und Politikerinnen, Künstler und Künstlerinnen, Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen. Im Film begegnen sich Vertreterinnen und Vertreter der so genannten "1. Generation" mit denen der "4. Generation". Protagonistinnen und Protagonisten sind unter anderen der ehemalige FC Bayern-Spieler Hamit Haltintop, Bundesverdienstkreuzträgerin Dr. Lale Akgün, Forscher Professor Onur Güntürkün, der Schriftsteller und Poet Molla Demirel, die gelernte Schneiderin Filiz Taskin und der Münchner Abiturient Kubilay Toptal. War für die erste Generation das zentrale Motiv das der immer wieder verschobenen Rückkehr, führte die zweite Generation oft ein Leben zwischen den Stühlen - zwar in Deutschland geboren, aber sich trotzdem weder zur türkischen noch zur deutschen Gesellschaft zugehörig fühlend. Während der dritten Generation alle Möglichkeiten in Bezug auf Bildung, Wachstumschancen, persönliche Freiheit offenstehen, hegen die Vertreterinnen und Vertreter der vierten Generation die Hoffnung, endlich als "normal" und "deutsch" zu gelten, ohne ständig nach der Herkunft gefragt zu werden.

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