TierART, Exoten

Sendezeit: 06:20 - 07:00, 19.08.2022
Genre: Kunst und Kultur
  • Von: Eric Brinkmann
Elefanten, Affen, Tiger, Spinnen - seit Jahrhunderten kriechen, pirschen, schwingen oder tröten sie auf verschiedene Weise durch alle Genres der Kunstgeschichte.
Diese Folge erzählt unterhaltsam-anekdotisch von der Auseinandersetzung der Kunst mit ein paar ihrer wichtigsten und schönsten Exoten. Aurel Mertz will das Verhältnis von Mensch und Tier ergründen und erliegt dem Charme des Ungewöhnlichen, Fremden und Wilden.
Viele Künstler haben sich an diesen sogenannten exotischen Tieren versucht. Noch hatte kaum jemand ein nicht in Europa beheimatetes Tier in echt gesehen, doch in den fürstlichen Menagerien des 17. und 18. Jahrhunderts wurden die dort gehaltenen, wilden Tiere zusammen mit domestizierten Gattungen auf riesigen Leinwänden verewigt, wie zum Beispiel auf dem großen Kasseler Tierbild: idealisiert, in friedlicher Koexistenz miteinander.
Erst mit Gründung der ersten Zoos im 19. Jahrhundert wurden die Exoten für jedermann zugänglich. Auf den berühmten Tierbuden-Bildern von Paul Friedrich Meyerheim prallen plötzlich Elefanten, Krokodile und gaffende Menschen aufeinander. Die Faszination wächst - europäischer Mensch und fremdländisches Tier rücken enger zusammen. Die Bezeichnung "exotisch" setzte sich in den Künsten für die Darstellung am Fremden und Ungewöhnlichen durch. Bisher ist der Begriff, der den eurozentristischen Blick der Kolonialzeit spiegelt, nicht wirklich ersetzt worden.
Diese Folge der 3sat-Reihe "TierART" erzählt von Tomás Saracenos überdimensionalen, begehbaren Spinnennetzen über das berüchtigte Tigerbild eines Gerhard Richter bis hin zum kolonialistischen Blick erster Raubkatzen-Fotokunst in Ostafrika des 19. Jahrhunderts. Salvador Dalís surrealistisch-deformierte "Les Éléphants" und Albrecht Dürers "Rhinozeros" gehören zu den "exotischen" Tieren der Kunstgeschichte ebenso wie der Affe. Letzterer nicht nur als Begleiter des Menschen wie in Frida Kahlos "Selbstporträt mit Affe", sondern sogar selbst als Künstler von Werken, die man teuer erstehen kann.
Der Maler Philip Emde stellt seinen großformatigen Tierbildern gesammelte Steiff-Tiere - meist Affen - gegenüber. Das Filmteam durfte ihn für diesen Film bei seiner Arbeit begleiten. Auch die Choreograph*innen des "El Cuco Projects" tauchen tief ein ins Tier - im wahrsten Sinne des Wortes: Sie performen mit exotischen, extrem echt aussehenden Echsen-, Tiger- oder Fledermausmasken auf der Bühne.
Hintergrundinformationen: Ob Hund, Katze, Pferd, Vogel oder Spinne - Tiere haben Künstler weltweit schon immer fasziniert, sie sind seit Menschengedenken Thema in der bildenden Kunst. Und in ihrer Darstellung lernt man immer auch etwas über die, die sie abbildeten: die Menschen. Angefangen von den ersten Höhlenmalereien über die Darstellung gefährlicher Bestien im Mittelalter, und klassische so genannte "Tierstücke" im 17. Jahrhundert bis hin zu surrealistischen Tierbildern des 20. Jahrhunderts und zeitgenössischen Werken von heute - die Kunst ist voll von Tierdarstellungen. Und oft gilt dabei, was schon bei Moby Dick zu lesen ist: "Es gibt keine Torheit der Tiere auf Erden, welche der Irrsinn der Menschen nicht unendlich übertrifft".

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