Katzelmacher

Sendezeit: 22:05 - 23:55, 31.05.2020
Genre: Drama
  • Darsteller: Hanna Schygulla (Marie), Lilith Ungerer (Helga), Rudolf Waldemar Brem (Paul), Rainer Werner Fassbinder (Jorgos), Doris Mattes (Gunda), Irm Hermann (Elisabeth)
  • Drehbuch: Rainer Werner Fassbinder
  • Regie: Rainer Werner Fassbinder
Deutschland (1969) Hintergrund:
Neun Tage wurde gedreht, 80.000 Deutsche Mark kostete der Streifen - eine filmische Adaption von Rainer Werner Fassbinders gleichnamigem Theaterstück, das 1968 im Münchner Action-Theater Premiere feierte. Der Film erhielt das "Prädikat wertvoll" der Deutschen Film- und Medienbewertung. Katzelmacher oder Katzlmacher ist ein bayerisches Schimpfwort, das - in zwischen nur noch selten - als abfällige Bezeichnung für Gastarbeiter aus Südeuropa benutzt wird.
Kritik:
"Fassbinders Milieudrama ist den Traditionen des sozialkritischen Volkstheaters - Horvath, Fleißer, Kroetz - verpflichtet: eine modellhaft stilisierte, formal außerordentlich konzentrierte Studie über Kommunikationslosigkeit, Gruppenzwang und Außenseiterhass."
"Daß hier eine außergewöhnliche filmkünstlerische Leistung vorliegt, steht außer Frage, auch wenn über deren Stil heftig gestritten werden kann. Diesen Stil hat Fassbinder jedoch mit einer erstaunlichen Konsequenz durchgehalten. [...] Die Radikalität der Absage an den landläufigen Spielfilm in Fassbinders zweitem abendfüllenden Film verdient deswegen eine besondere Hervorhebung, weil dieser Kahlschlag im Gelände landläufiger Spielfilmgestaltung getrost vollkommen genannt werden kann. Das war nur zu erreichen mit einer so unausweichlichen Übereinstimmung zwischen Inhalt und Form, die sich hier sozusagen ineinander aufgelöst haben." (Deutsche Film- und Medienbewertung)
"Von Anfang an probierte Fassbinder völlig unterschiedliche Methoden des Filmemachens aus. 'Katzelmacher' war eines seiner ungewöhnlichsten Experimente und der Beginn einer in der Geschichte des deutschen Films einzigartigen, fast manischen Produktivität."
"Die schonungslose Beobachtung der Objekte erscheint verstärkt durch den statischen Fixierpunkt der Kamera. Auch der eintönige, wechselnde Hintergrund versinnbildlicht barbarische Kälte und Leere, Verlassenheit und verlorene Sehnsucht nach selbsttäuschender Romantik und Geborgenheit." (film-dienst)
"'Katzelmacher' ist ein ungemütliches Frühwerk Fassbinders, das bereits jetzt schon die stilistisch-inhaltliche Handschrift hat, die man in seinem späteren Werk findet. Vor dem Hintergrund aktueller Diskussionen ist der ätzende Ton des Films von großer Brisanz und ist nach wie vor provozierend." (film-rezensionen.de)
Hintergrundinformationen: Sein Blick unbestechlich und scharf, ein Meister darin, in seinen Filmen Gegensätze zu überwinden und eine Synthese zwischen Gesellschaftskritik und Filmkunst zu schaffen. Viel zu früh 1982 mit 37 Jahren verstorben, war Rainer Werner Fassbinder DAS Enfant Terrible der deutschen Filmszene und wohl der wichtigste Vertreter des Neuen Deutschen Films. Am 31. Mai wäre der "Satansbraten" und Workaholic Fassbinder 75 Jahre alt geworden. TELE 5 würdigt den rebellischen Filmschaffenden an diesem Tag mit einem "D-Movies Spezial" ab 20:15 Uhr mit drei seiner Werke: "Angst essen Seele auf" (1973) mit Brigitte Mira, sein zweiter Spielfilm "Katzelmacher" von 1969 mit Hannah Schygulla sowie "Despair - Reise ins Licht" (1978) mit Dirk Bogarde und der genialen Kamera von Michael Ballhaus.