Berlin - Schicksalsjahre einer Stadt, Das Jahr 2009

Sendezeit: 20:15 - 21:45, 20.08.2022
Genre: Zeitgeschichte
  • Untertitel für die Sendung verfügbar
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  • Von: Dagmar Wittmers
(2019) 2009 - das Jahr, in dem die Berliner S-Bahn in die schwerste Krise ihrer Geschichte gerät. Jahrelang wurde eins der besten Nahverkehrsmittel der Welt kaputtgespart. Nun muss über Nacht ein Großteil der Flotte stillgelegt werden, ein Notfahrplan tritt in Kraft. Heiner Wegener, Betriebsratschef und seit 1972 S-Bahner, hat seit langem vor einem solchen Szenario gewarnt. Nun muss er mitansehen, wie Fahrgäste ihren Zorn an Lokführern und Zugbegleitern auslassen.
Schauspieler Dieter Hallervorden wird Theater-Chef: Er erweckt das seit zwei Jahren leerstehende Schlosspark-Theater in Steglitz wieder zum Leben - ein Neuanfang mit 73. Im Interview erzählt er, warum er sein Vermögen ausgerechnet in ein Theater steckt und spricht über Glück und Leid eines Theaterdirektors.
"Abwrackprämie" wird zum Wort des Jahres gewählt: Wer sein altes Auto verschrottet, bekommt seit Januar 2009 2500 Euro. In der Autopresse Tempelhof herrscht Hochbetrieb: Andreas Schmidtke erinnert sich an Frauen, die unter Tränen von ihrem Auto Abschied nehmen, um die Prämie zu kassieren.
Ex-Finanzsenator Thilo Sarrazin provoziert in einem Interview mit Aussagen über muslimische Zuwanderer, die "ständig neue Kopftuchmädchen produzieren". Eine Debatte über Integration und Rassismus bricht los, in der sich auch die deutsch-türkische Autorin Hatice Akyün zu Wort meldet.
Am 9. November feiert Berlin den 20. Jahrestag des Mauerfalls mit einem rauschenden Fest. Schauspieler Henry Hübchen, dessen neuer Film "Whisky mit Wodka" im Herbst 2009 in die Kinos kommt, erzählt, warum er immer noch sagt, er fahre "rüber", wenn er von Pankow nach Charlottenburg fährt.
Eine TV-Chronik der Superlative über fünf Jahrzehnte: Die Reihe "Berlin - Schicksalsjahre einer Stadt" erzählt Berliner Geschichte. Jedes Jahr in 90 Minuten, ein Kaleidoskop der Themen, die die Berlinerinnen und Berliner bewegten. Die fünfte Staffel über die 2000er Jahre zeigt eine Stadt im rasanten Wandel. Aufbruch ins Ungewisse: Quo vadis, Berlin? Als deutsche Hauptstadt ist Berlin auch Bühne der Weltpolitik - und wird weltweiter Mythos, nicht nur in Sachen Nachtleben. Die D-Mark geht, der Euro kommt, doch die Finanzlage der Stadt bleibt katastrophal. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit fasst das Berliner Lebensgefühl der Dekade in einen griffigen Slogan: "Arm, aber sexy". Doch die Arbeitslosigkeit steigt auf Rekordhöhen - nirgends in Deutschland ist der Anteil an Hartz-IV-Empfängern höher. Die 2000er sind Jahre der allgemeinen Verunsicherung: Die Terroranschläge vom 11. September erschüttern auch die Berliner, die Stadt streitet über "Parallelgesellschaften" und beklagt einen "Ehrenmord". Während der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 erlebt Berlin sein "Sommermärchen" - Beginn eines Aufschwungs, der bis heute anhält. Die Touristenzahlen steigen, aber auch die Mieten: Berlin ist Boomtown und Betongold. Und im neuen Jahrtausend mehr denn je: Weltstadt und Kiez, gelebte Wiedervereinigung - Schauplatz kleiner und großer Geschichten in einer sich globalisierenden Welt.

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